Abstracts (deutsch/English)
Johannes Angermüller (University of Magdeburg, Germany)
Numerocracy. From Texts to Numbers in Google Scholar
In this contribution, I will ask what digital technologies of knowledge
production mean to the reading of texts in the humanities and interpretive
social sciences. My point of departure is that we live in numerocracy - a
regime which exerts power by means of numbers. With the coming of the
entrepreneurial university, numerocracy extends into the production of
knowledge in the interpretive disciplines whose job is precisely to deal
with texts. By citing the example of Google Scholar, I will discuss how
digital technologies change the way texts are read. With the help of recent
French discourse analysis, we will look into an example of academic
discourse which is transformed by Google Scholar in a certain way. While
human readers can distinguish between the different enunciative modalities
of the many voices of academic discourse, non-human readers like Google
Scholar deal only with the voices having a name: they count references and
produce numbers. These numbers, in turn, change the way in which texts are
read by human readers since they allow to grade, rank, classify the products
as well as their producers. Therefore, by means of numbers, reflexive
knowledge is translated into numerocratic knowledge which can be used by
non-academic administrators, political decision-makers or by just anybody in
search of objectified excellence in these disciplines. I will conclude by
pointing out how digital information technologies act as power/knowledge
technologies in the sense of Foucault. With the numbers proliferating in the
digital medium, academic producers can now constantly monitor each other and
first of all of course themselves.
Doris Bachmann-Medick (GCSC Gießen, Germany)
Von der Hybridität zur Übersetzung. Überlegungen zu Travelling Concepts/From Hybridity to Translation. Reflections on "Travelling Concepts"
Deutsch:
(Kultur-)wissenschaftliche Konzepte und Theorien entfalten sich erst in
ihrer Bewegung - auf ihrer"Reise" durch die verschiedenen Disziplinen und
vor allem durch verschiedene Wissens- und Wissenschaftskulturen. Diese
Konzeptbewegung soll als ein wichtiges Moment von interdisziplinärer Arbeit
skizziert werden, aber auch als Bedingung der Möglichkeit von
kulturwissenschaftlicher Forschung in einem inter- und transkulturellen
Horizont. Ein aufschlussreiches Beispiel ist hier die Transformation des
Konzepts der Hybridität hin zu einem Konzept von Übersetzung. Von da aus
wird die weitergehende Frage eröffnet, inwiefern diese "Reise" des
Hybriditätskonzepts geradezu das Konzept von Travelling Concepts/Travelling
Theories überhaupt verändert: Sind diese nach dem Modell hybrider
Vermischungen zu denken oder eher unter dem Vorzeichen komplexer kultureller
Übersetzungsprozesse?
English:
The elaboration and acceptation of concepts and theories in the study of
culture is dependent on their movement - on their "travel" through various
disciplines and above all through different traditions of knowledge and
various cultures of research in unequal parts of the world. In my talk this
movement of concepts shall be conceptually outlined: as an important
dimension of interdisciplinary work, but also as a condition of the
possibility of a currently emerging study of culture in a trans- and
intercultural horizon. Here, an illuminating example could be the
transformation of the concept of hybridity into a concept of translation.
Can this "travelling" of the concept of hybridity itself even challenge or
change the concept of travelling concepts/travelling theories at all? Should
we consider travelling concepts within the pattern of hybrid mixings or
rather in the sign of complex processes of cultural translation?
Kerstin Büttner (Inst. f. Regionalentwicklung, Erkner, Germany)
Transkultureller Wissensaustausch im Referenzkundennetzwerk - die organisationalen und kommunikativen Praktiken eines Global Players
Im Rahmen der sozialkonstruktivistischen und wissenssoziologischen Debatte
um den Zusammenhang von Raum und Wissen beschäftigt sich mein Beitrag mit
der räumlichen Organisation von Wissen im Rahmen transkultureller
Austauschprozesse eines Global Players. Dabei folge ich der Annahme, dass
sich Raum und Vielfalt gegenseitig bedingen (Massey 1999) und räumliche
Disparitäten des Wissens entgegen einer weit verbreiteten Meinung im Zuge
der globalen Wissensproduktion eher zu- als abnehmen (Meusburger 2008). Dies
setzt gleichzeitig voraus, sich nicht auf die Kodifizierbarkeit von Wissen
zu beschränken und dieses Wissen als jederzeit transferierbar und weltweit
zur Verfügung stehend anzusehen, sondern die Vielfältigkeit
unterschiedlicher und sich gegenseitig bedingender expliziter und impliziter
Wissensformen und ihre räumlich-zeitlichen sowie organisationalen und
kommunikativen Restriktionen mit in den Blick zu nehmen.
Die Innovationsfähigkeit von Transnationalen Unternehmen hängt heute
weitgehend vom Zugang zu "externem Wissens" und damit vom Gelingen
kulturüberschreitender Kommunikationsprozesse ab. Angesichts dessen, dass
Wissensvermittlung über nationale Grenzen hinweg nicht nur rechtlichen und
organisatorischen Restriktionen (Koch 2006) unterliegen kann, sondern
insbesondere auch mit kulturellen Widerständen verbunden ist, stellen Cohen
und Levinthal (1990) die "Absorptionsfähigkeit" von Unternehmen heraus.
Damit hängt der Zugang zu externem Wissen insbesondere von der
Organisationsform (heterarchische anstatt hierarchische Arbeitsstrukturen)
als auch von den "Filtersystemen" (Meusburger 2008) ab, denen Sender und
Empfänger als Akteure von Wissensaustauschprozessen im Kommunikationsprozess
unterliegen.
In diesem Vortrag soll das globale Referenzkundennetzwerke eines Global
Players als Fallbeispiel für die Analyse transnationaler
Wissensaustauschprozesse und damit der "räumlichen Dimensionen des Lernens"
(Amin & Cohendet 2005) dienen. Relationales Lernen auf Distanz wird hier
durch lokale Praktikgemeinschaften organisiert. Am Anfang des
Wissenstransfer- und damit Innovationsprozesses stehen Beobachtungsprozesse
alltäglicher Arbeitsvorgänge und deren lokalen Kontextbedingungen durch
Produktmanager und nicht wie bisher angenommen inhouse-Generierungen von
Ingenieurswissen.
Amin, A. & Cohendet, P. (2005): Geographies of Knowledge Formation in Firms.
In: Industry and Innovation, 12 Jg., Heft 4, S. 465-486.
Cohen, W. M. & Levinthal, D. A. (1990): Absorptive capacity. A new
perspective on learning and innovation. In: Administrative Science
Quarterly, 35 Jg., Heft S. 128-152.
Koch, G., Ed. (Hg.). (2006). Internationalisierung von Wissen.
Multidisziplinäre Beiträge zu neuen Praxen des Wissenstransfers. St.
Ingbert, Röhrig Universitätsverlag.
Massey, D. (1999): Philosophy and politics of spatiality: Some
considerations. In: Hettner Lectures, 2 Jg., Heft S. 27-42.
Meusburger, P. (2008). The Nexus of Knowledge and Space. In: Clashes of
Knowledge. Orthodoxies and Heterodoxies in Science and Religion. Knowledge
and Space P. Meusburger, M. Welker and E. Wunder (Hg.). Dordrecht, Springer.
1: S.43-98.
Aryong Choi-Hantke (Sogang University, South Korea)
A fearful Foreign Tongue : The use of English in Chanwook Park's Films
After independence from Japan in 1945, Korean society became-and still is,
to a large extent-politically and culturally dependent on the U.S.
Consequently, most Koreans realize that American English is not only the
crucial tool for communicating with other countries; they also attach
English to their sense of personal prestige. Faculty at Korean universities,
for example, habitually carries American academic degrees. Accredited
English examinations like TOEFL or TOEIC are considered a requirement for
passing the mandatory university entrance exam at the undergraduate and
graduate level. But while English acquisition in Korea is a gigantic
business, not many Koreans speak English fluently; most even fear it. Since
his international breakthrough with JSA, the films of Korean director
Chanwook Park have reflected this aspect of Korean culture: characters who
speak the language often occupy dominant positions, ruling or judging
others. How Park explores this fact of Korean social life, and critiques it,
is the focus of this presentation.
Rebecca Eulzer (University of Magdeburg, Germany)
Glatte Biographie? Zum Transfer des Begriffs der Nicht-Identität in die Biographieanalyse
"Dialektisch ist Erkenntnis des Nichtidentischen auch darin, daß gerade sie,
mehr und anders, als das Identitätsdenken, identifiziert." (Th.W. Adorno:
Negative Dialektik; Gesammelte Schriften Bd. 6, Ffm 1997, S. 152) Gerade in
Bezug auf Biographieanalysen kann eine Beschäftigung mit Identität und
Nichtidentität mehr und anders identifizieren. Dies ermöglicht es dem
Biographieträger näher zu kommen, in dem was er ist und über das
hinauszugehen, worunter er fällt. Es ist davon auszugehen, dass in jeder
Biographie nichtidentische Anteile zu analysieren sind, besonders deutlich
werden diese jedoch bei Personen, die "Fremdheitserfahrungen" machen. Rita
Kuczynski macht vielfältige solcher Erfahrungen. Als Kind wächst sie
zwischen Ost- und Westberlin auf. Sie erlebt hierdurch unterschiedliche, oft
gegensätzliche Sinnwelten. Durch diese Erfahrungen wird es ihr unmöglich,
sich kritiklos anzupassen. Sie nimmt sich selbst als Schauspielerin wahr,
die vorgibt den Klassifikationen gerecht zu werden. Mit dem Mauerbau wird
ihr der Wechsel zwischen Ost- und Westberlin unmöglich. Die traumatische
Erfahrung führt zu einem Orientierungszusammenbruch. Es fällt es ihr schwer
Identitätsangebote anzunehmen. Rita Kuczynski erlebt sich in der DDR als
nichtidentisch und wird auch als solches wahrgenommen. In meinem Vortrag
will ich am Beispiel der Biographie Rita Kuczynskis diskutieren, inwiefern
Adornos Begriff der Nichtidentität für die Biographieanalyse aufschlussreich
sein kann.
Hannes Gießler (University of Leipzig, Germany)
Kritische Theorie des Tausches - von Marx zu Adorno
Theodor W. Adorno warnt vor der "Tendenz", dass die Gesellschaft "nicht mehr
durch den klassischen Tauschmechanismus definierten Formen zusteuert", sei
man doch durch den Faschismus darüber "belehrt worden", "was der erneute
Übergang in unmittelbare Herrschaft bedeuten kann." Der Sozialismus wie auch
der Faschismus, so groß ihre Unterschiede sonst auch waren, haben ihrer
Tendenz nach die, von Karl Marx kritisch dargestellten, objektiven
ökonomischen Vermittlungsformen zugunsten unmittelbarer Formen der
Kollektivität, Herrschaft und Ausbeutung aufgehoben. Der Faschismus war nie
mit einem anderen Ziel als der Restitution der Unmittelbarkeit angetreten,
im Sozialismus stellte sich unmittelbare Gewalt anstelle inaugerierter
vernünftiger Verhältnisse ein. Also stellt sich der Kritischen Theorie die
Frage, welchen Standpunkt eine Kritik der politischen Ökonomie einnehmen
muss, nachdem der alte Standpunkt: die Aufhebung der verdinglichten
ökonomischen Vermittlung zugunsten rationaler Ökonomie, in der Praxis
Irrationalität und Inhumanität bedingt hat. Die begriffliche
Auseinandersetzung Adornos mit Marx' Philosophie scheint rar. Doch trügt der
Schein, da er die Ökonomie weniger in ihrer extrovertierten Gestalt, d.h.
als Wirtschaftsordnung, zum Thema hat. Stattdessen interessiert ihn mehr
eine bestimmte Kategorie - eine, die einerseits zentral für die Ökonomie,
andererseits aber offenbar nicht ökonomisch herzuleiten ist: die Kategorie
des Tausches.
Paula Grobbecker (University of Magdeburg, Germany)
Democratic iterations as foundation of a new universalism?
This presentation is dealing with women rights as an example for "democratic
iterations", understood as "empirical processes, which can be judged in the
light of normative criteria deriving from discourse theory." (Seyla
Benhabib, 2005)
In developing the category of "democratic iterations" Benhabib refers to
Immanuel Kant's vision of "Perpetual Peace" and Juergen Habermas' idea of
the universalistic norms of discourse ethics, claiming a new universalism.
She lines out, that the demos nowadays changes through democratic iterations
by its expression of democratic will. Consequently she notes that the ethnos
changes as well. She is manifesting her thesis on French Muslim women, who
are claiming to wear the head scarf as expression of their personal
autonomy.
One can ask why Benhabib is using Kant´s most universal book to describe
female conditions and social transformation in a very universalistic and
perhaps utopian manner?
Hereby, we can recognize a transfer of Kants, Habermas and Arendts ideas
combined with her own specific liberal experience in the US-American
context to societies in general. Referring to Kants "Perpetual Peace",
cosmopolitan rights and Habermas´ idea of democratic national cultures
Benhabib is able not only to show shifting meanings of former religious
symbols but also to light up the underlying changes in the social order of
modern societies.
Jurij Halajko (Polish Academy of Sciences)
From virtual presence to real impact: a case study of Ukrainian "Kinopereklad" and "Don't Be Indifferent" social movements
Until 2006 there was almost no possibility for watching films in cinemas
with Ukrainian dubbing or subtitles: all the Western movies for Ukrainian
market were translated into Russian, in the same way it was in the Soviet
Union. Only in 2006 one of the distributors of the American major studios
began to translate some of the films into Ukrainian. Other distributors
(mainly a subsidiaries of the Russian ones) refused to supply the cinemas
with the films translated into Ukrainian. Instead they kept on supplying
films with Russian dubbing, arguing that providing movies with Ukrainian
translation had no market perspectives. At the same time, as a reaction to
the position of those distributors, there emerged an Internet-based social
activity aimed at promotion of movies translated into Ukrainian and
protecting the rights of Ukrainians to watch films in their native language.
Its activists have called to watch the movies only with Ukrainian dubbing or
subtitles and boycott the titles which were not translated to their native
language. I will focus on this group activity and the role of the Internet
in its operation. On the other hand, "Don't Be Indifferent" is similarly
involved in the Internet activity; in addition it is also a campaign led by
popular Ukrainian musicians, going on tour throughout Ukraine and promoting
the use of Ukrainian among young people. These case studies are an
interesting example of how a social movement can emerge from an Internet
based community and music subculture and became significant sources of
critical discourse.
Julian Hamann (University of Bamberg, Germany)
Der Preis des Erfolges - Die "Krise der Geisteswissenschaften" aus feldtheoretischer Perspektive
Wenn es tatsächlich eine "Krise der Geisteswissenschaften" gibt: Worin
besteht sie, und worauf ist sie zurückzuführen?
Zur Beantwortung dieser Fragen wird unter Verwendung des feld- und
kapitaltheoretischen Ansatzes von Pierre Bourdieu ein Bogen von der
Begründung der Geisteswissenschaften bis in die Gegenwart gespannt. Die
Herausbildung der Geisteswissenschaften zu Beginn des 19. Jahrhunderts
bedeutet aus dieser Perspektive, dass innerhalb des universitären Feldes ein
geisteswissenschaftliches Feld mit einer eigenen Doxa und der Philosophie
als Leitwissenschaft etabliert werden konnte. Die Geisteswissenschaften
sichern ihre dominante Position durch einen hohen Grad der kognitiven und
sozialen Schließung des Feldes. Bereits ab der Mitte des 19. Jahrhunderts
führt das Erstarken der Naturwissenschaften mit ihrer empirischen Methode zu
einer Phase der Instabilität, die durch einen starken Anstieg der
Studierenden zu Beginn des 20. Jahrhunderts forciert wird. Die Expansion
universitärer Bildung ab den 1960er Jahren verschärft die Situation erneut
und erzwingt die endgültige soziale Öffnung des geisteswissenschaftlichen
Feldes. Das dadurch entstehende Spannungsverhältnis zwischen sozialer
Entgrenzung und kognitiver Schließung wird bald durch eine kognitive Öffnung
des Feldes in Form von neuen Inhalten und Praktiken bewältigt: Mit der der
Versozialwissenschaftlichung und der Vernaturwissenschaftlichung der
geisteswissenschaftlichen Forschung sowie der Einrichtung neuer
praxisorientierter Studiengänge ist der Preis der erfolgreichen Anpassung
der Geisteswissenschaften an Praxisanforderungen und Verwertungszwänge
beziffert: Die Aufgabe ihres traditionellen identitären Kerns.
Der Identitätswandel der Geisteswissenschaften in Deutschland vollzieht
sich, im Gegensatz zur geläufigen Darstellung im Diskurs über die "Krise der
Geisteswissenschaften", nicht einfach im Zuge ihrer Verdrängung durch die
Naturwissenschaften, sondern im Zuge ihrer Expansion, die dazu gezwungen
hat, die Spannung zwischen sozialer Öffnung und kognitiver Schließung durch
kognitive Öffnung zu bewältigen.
Steffen Hantke (Sogang University, South Korea)
"Oh, no, there goes Tokyo!": Teaching Film and Contesting Interpretations in the Intercultural Classroom
This presentation starts from one specific instance of my own teaching
experience: discussing a popular postwar Japanese film, as an instructor of
German origin yet with a largely American background of socialization,
within the American Studies program at an English department, with graduate
students at a Korean university. Though I acknowledge that this specific
configuration comes with elements unique only to itself, I take it as
representative of newly emergent global economies of knowledge:
institutional networks of higher education, as well as the professional
routines and contents traveling between global cultural center/s and
margins. Moving on from autobiographical narrative, the presentation
examines the confluence of economic, cultural, and ideological factors that
enter into the process of negotiating interpretive consensus among teacher
and students. Finally, it goes on to raise the question what the function
and use of heterodoxy could be as it arises from cognitive dissonance and
interpretive disagreement in such classroom discussions.
Florentina Hausknotz und Frederike Felcht (University of Mannheim, Germany)
Intellektuelle als Grenzgänger oder: Was ist kritisches Sprechen?
"Behandelt mein Buch wie ein auf das Draußen gerichtetes Paar Sehgläser,
und, tja, wenn sie euch nicht passen, dann nehmt doch andere, findet selbst
euren Apparat, der notwendigerweise ein Kampfapparat ist." (Marcel Proust)
Was bedeutet eine solche Beziehung zum eigenen Denken für Intellektuelle?
Wenn wir (die beiden Autorinnen) von Intellektuellen schreiben, meinen wir
auch KritikerInnen und sprechen von denen, die zweifeln und sich beständig
an der Macht des herrschenden Diskurses reiben. Doch wie kann dies
passieren? Edward Said begreift Kritik als ein Tun, das zwischen Leben und
Text passiert, er beschreibt Intellektuelle als solche, die einerseits die
Strukturen des Zusammenlebens, einer Weltgesellschaft, überblicken und
andererseits im Universum der Texte zuhause sind. Saids Intellektuelle sind
GrenzgängerInnen zwischen Leben und Schreiben, Praxis und Theorie. Die
kritische Position verliert damit zwar ihren Ort, erhält jedoch eine
bezeichnende Eigenschaft: Sensibilität. Diese Sensibilität erlaubt Said
zufolge nur die säkulare Form des Denkens, dessen Struktur vor falschen
Universalismen (z.B. Nationalismus) schützt. Doch was passiert, wenn Saids
Begriff von Säkularismus eine Umwertung erfährt, wenn dieser Begriff
kämpferisch wird, wenn im Namen der Menschenrechte eben diese übertreten
werden können? Prousts Brille drückt aus, dass es unmöglich ist, sich
Rezepte für richtiges Handeln auszudenken, dass Intellektuelle in
Abhängigkeit von denen leben, deren Tun praktisch ist. Theorie bleibt
folglich Werkzeuge-erschaffen, muss Sprachen erfinden, die zur Anwendung
kommen können. Der Vortrag stellt mit Hilfe ausgewählter postkolonialer
DenkerInnen (z.B. Fanon, Spivak) die Frage nach dem Verhältnis von Ort und
Kritik. De- und Reterritorialisierungsprozesse werden dabei als ein
zentrales Spannungsfeld der globalen Wissensökonomie begriffen.
Mirjam Horn (University of Gießen, Germany)
ConText - Conflicting Authorship in Kathy Acker's Plagiarist Fiction
In the transnational market place of cultural products, global processes
increasingly display inconsistencies for the generation and appropriation of
knowledge and, in particular, text(s). Some of these contradictions can be
easily experienced as fertile chances to probe and, consequently, establish
new both thematic and structural fields of criticism. Yet, others seem far
too incompatible. Despite post-structuralist literary theory's attempt to
free texts from their integrated wholeness, for instance, and to deny their
utter dependence from an authorial source, literary production, criticism,
and the overall commodification of the text and the book are still
legitimized by a 19th century understanding of authorship: the author
continues to be the decisive source and tool to classify, index, and
interpret his/her work. Moreover, s/he receive compensation on a financial
(royalties) as well as legal basis (Copyright). This contribution aims to
discuss the crucial interface of the post-structuralist understanding of
text as a free, unauthorized corpus of words, and its context of legal
frameworks that prohibits the boundless distribution and creative
reproduction of works. This clash of ideas triggers even more controversy
once writers declare the 'stealing' of texts their aesthetic agenda. As a
case study, I will therefore introduce the experimental prose of writer
Kathy Acker who heated up the power struggle over text by provocatively
integrating whole passages from other, well-established authors into her own
work to subvert the esteemed canon and to question traditional notions of
authorship and its according authorities.
Holden Kelm (FU - Berlin, Germany)
The problem of subjectivity - Michel Foucault's and Judith Butler's reception of Hegel's Phenomenology of Spirit
Ausgehend von der Diskussion über den kulturellen Transfer von Theorien, wie
sie von François Cusset (2003) über die "French Theory" im amerikanischen
Kontext und von Pierre Bourdieu (2002) in Bezug auf die sozialen Bedingungen
der Theorienzirkulation vorgestellt wird, möchte ich ein spezielles Beispiel
aus der Hegel-Rezeption in Frankreich erörtern. Die dortige Lektüre von
Hegels "Phänomenologie" in der ersten Hälfte des 20. Jh. verdeutlicht, wie
die Interpretation eines Textes von kulturellen und politischen Interessen
und Diskursen gelenkt und durchdrungen wird und eine Diskussion auslöst, die
in ihren Folgen über den nationalen Kontext hinausweist. Wenn es richtig
ist, dass einige theoretische Schriften von Bataille, Foucault und Derrida
von der Auseinandersetzung mit Hegel motiviert sind, dann scheint es möglich
zu sein, dass auch die Rezeption der "French Theory" an amerikanischen
Universitäten in den 1980er Jahren teilweise durch eine Hegelsche
Problematik gekennzeichnet ist. Diese Problematik lässt sich bei Hegel und
Foucault als die Geschichtlichkeit des Wissens ausführen, die sich in
Nordamerika als die Diskussion der kulturellen Identität darstellt. Es
scheint also ein indirektes Übertragungsverhältnis vorzuliegen, in dem ein
theoretisches Problem in verschiedenen kulturellen Kontexten reproduziert
wird und differente Lösungen erfährt. In meinem Vortrag möchte ich
versuchen, diesen ideengeschichtlichen Zusammenhang näher zu erläutern.
Sabine Krajewski (Macquarie University, Australia)
Globalized societies and cultural identities
In this paper I analyse the degree to which the concept of social and ethnic
identity is included in intercultural communication theory. I argue that
communicative resourcefulness is important in emerging global knowledge
societies but that the fluid nature of ethnic and social identity is
underrepresented in the theoretical framework of intercultural
communication. The meaning of self is created by avowal and ascription over
time and is embodied in intercultural conflict situations. Identity is being
transformed during processes of cultural transition and adaptation.
In identity-based intercultural communication theories, identity is seen as
an influence on communicative behaviour. Subjective identity (the way we see
ourselves) and objective identity (the way others see us) are determining
factors in effective communication processes and key factors in successful
intercultural communication. Due to the symbiotic and transactional nature
of identity and communication, identity is in turn constantly shaped and
re-assessed through communication with others.
The influence of identity on the management of anxiety and uncertainty is
fundamental to effective communication (Gudykunst 1995). Collier (1997)
exemplifies how ethnic identities are negotiated through communication and
Ting-Toomey (1988) uses examples of conflict management to analyse the
impact of ethnic identity on conflict styles in high context and low context
cultures. Identity is an integral concept of intercultural theories but it
is not always acknowledged as a process rather than a fixed entity.
I use practical examples to analyse how global knowledge transfer, cultural
transition and intercultural conflict situations transform identities and
how the integration of a more fluid concept of ethnic and social identity
into intercultural communication theory will open new perspectives.
Petra Kuppinger (Monmouth College, USA)
Between "taz" and Islam: cultural, political and religous debates on the pages of the "Islamische Zeitung"
For the past few year the Islamische Zeitung has become a central platform
of debate for a growing group of politically engaged pious, mostly younger,
Muslims in Germany. Reading the Islamische Zeitung one is immediately struck
by certain similarities to the secular leftist taz, both with regard to the
actual layout and some of its political reporting. Yet the left-leaning and,
for example, clearly anti-globalization message of the paper is frame by a
distinctly pious Muslim discourse. Critical articles about issues ranging
from unemployment to sustainability stand next to emotional or spiritual,
and community-building article about the month of Ramadan, or the pilgrimage
to Mecca. This paper briefly introduces the Islamische Zeitung and then
takes a few central issues, such as globalization, international politics,
concerns with properly Islamic lifestyles and the construction of a
specifically German Muslim pious community as part of a global universe of
believers, and illustrates how these issues accommodate debates that are
central ongoing discussions about what it means to be a pious Muslim and
active citizen in Germany. While located a distance to dominant society and
not much recognized as a venue for public debate, I argue that the
Islamische Zeitung is an intellectual platform for Muslim individuals and
groups who as citizens and some indeed as social and religious activists
form an integral part of a the German public sphere.
René Lehmann (University of Erlangen, Germany)
"Zweimal wurde ich betrogen" - Vergleichende Perspektiven auf gesellschaftliche Verhältnisse
Nach dem politischen und ökonomischen Zusammenbruch der Deutschen
Demokratischen Republik und der darauf folgenden Forderung nach der
Aufarbeitung der sozialistischen Vergangenheit erfuhr die Frage nach der
Vergleichbarkeit der DDR-Diktatur mit dem totalitären
nationalsozialistischen Gesellschaftssystem sowohl auf wissenschaftlicher
Ebene und in öffentlichen Diskursen, als auch in privaten Bereichen eine
bedeutende Reaktualisierung. Daneben eröffnete sich jedoch speziell für die
von den gesellschaftlichen Umbrüchen persönlich Betroffenen eine weitere
potentielle Vergleichsdimension, die des Vergleichs der beiden vergangenen
Gesellschaftssysteme mit dem gegenwärtigen. Anhand einer Fallstudie aus
einem empirisch-qualitativen Forschungsprojekt soll im Tagungsbeitrag der
gegenwärtige Umgang mit gesellschaftlichen Transformationserfahrungen in
ostdeutschen Familien analysiert werden. Dazu erfolgt die Rekonstruktion von
auf die Vergangenheit(-en) sowohl des nationalsozialistischen, als auch des
DDR-Systems bezogenen Deutungsmustern, welche sich in zu diesen
Themenbereichen in ostdeutschen Familien durchgeführten narrativen
Interviews finden lassen. Der Focus des Vortrages richtet sich dabei auf die
Analyse von generationellen Differenzen und Gemeinsamkeiten. Im Weiteren
wird danach gefragt, inwieweit spezifische, durch die Sozialisation in der
DDR geprägte Deutungen sowohl der persönlichen Erfahrungen unterschiedlicher
Gesellschaftssysteme und gesellschaftlicher (Um-) Brüche, als auch der
gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen erfolgen, und welche
persönlichen Konsequenzen die Betroffenen daraus ableiten.
Jens Maeße (University of Mainz, Germany)
Spiel über Bande. Bologna, Politikschauspieler und die Macht der globalen Technokratie
Als am 19. Juni 1999 die Bildungsminister aus 29 europäischen Staaten die
Bologna-Erklärung unterzeichneten, hat niemand geahnt, welche enormen
Strukturreformen an den europäischen Hochschulen dadurch ausgelöst werden
sollten. Innerhalb weniger Jahre ist das traditionelle liberale
Selbstverständnis der deutschen Universitäten aufgelöst. Wie ist es zu
erklären, dass von einem dreiseitigen Papier derartige Wirkungen ausgehen
können? Der Beitrag geht dieser Frage aus diskursanalytischer und
poststrukturalistischer Sicht nach und zeigt, wie ausgehend von Texten wie
Reden, Interviews und Erklärungen politische Handlungsträgerschaft
hergestellt wird. Dabei soll insbesondere gezeigt werden, wie sich durch die
Zirkulation von Bildungsmodellen in europäischen, nationalen und regionalen
Praxisfeldern eine dezentrale Form von Macht etabliert, wo sowohl politische
Verantwortlichkeit als auch die konkrete Bedeutung politischer Ideen
unsichtbar gemacht wird. Die These des Beitrags wird lauten: die regionalen
Politiker (Verbandsfunktionäre, Minister, Staatssekretäre, Rektoren,
Journalisten) verkaufen globale Bildungsmodelle vor Ort und verweisen dabei
auf den Sachverstand der globalen Technokraten (Ministerialbeamte,
Bildungsexperten, Ökonomen u.a. Wissenschaftler); die globalen Technokraten
wiederum produzieren Ideen und warten auf Politiker, die diese in der
Öffentlichkeit vertreten; werfen die Adressaten dieser Offerte (Hochschule,
Fachverbände, Rektoren, Journalisten etc.) allerdings einen Blick auf die
Ideen, dann finden sie dort einen Text, der mit leerer Rhetorik und
komplizierten Begriffen übersät ist. Doch dann ist es meistens schon zu
spät! Denn wurde Bedeutung erfolgreich proklamiert und Verantwortung
geschickt delegiert, dann sind die globalen Modelle oft schon unumgänglich
etabliert. Eine Nichtumsetzung scheint nun nur noch um den Preis einer
massiven Entwertung symbolischen Kapitals (Ansehen) auf allen Seiten
möglich.
Reinhard Messerschmidt (Institut National d'Études Démographique, France)
Demodystopias in German scientific and mass-medial discourses of the beginning 21th century
The Spanish Demographer Andreu Domingo (2008) has developed the term
"Demodystopias" in his examination of apocalyptical demographic discourses
in modern literature. This can be as well referred to the most publications
in the German mass-media since the millennium, as to parts of the scientific
discourse. The latter is definitely not that homogenous, that it would be
appropriate to identify it as one monolithic "Population-discourse", like in
the very few existing literature that approached the topic under reference
to discourse analysis.
Consequently, a variety different discourses need to be analyzed, which led
to a shift in the meaning of demographic change in the last years. From a
basically neutral concept referring to flows in the three main demographic
indicators (fertility, mortality and migration) it meanwhile has a strongly
negative meaning of prospective population aging with the perspective of
shrinking. Population projections and their mass-medial communication,
interpretation and political instrumentalization play a crucial role in the
framing of the hegemonial perception of this topic.
The main aim of this dissertation proposal is to reveal specific regimes of
truth, which are focused on the manipulation of (social-)political attitudes
of the public and decision-makers, as well as the conditions that lead to
their genesis. In contrast to the claimed objectivity of the underlying
empiricist determinism, the related discourses are strongly connected to
specific power relations and political interests. For their examination,
Foucault's "toolbox" on the one hand and the hegemony-theoretical
perspective of Laclau/Mouffe provide perspectives which can be productively
modified in order to identify this highly important case of distorted
communication.
Andre Mommen (Universiteit van Amsterdam, Netherlands)
The Neo-Liberal Development Agenda or the White Man's Burden Revisted
In an era of neo-liberal triumphalism much attention is paid to development
ideologues to the development of microfinance and land tenure rights in
order to sponsor bottom-up capitalist development. Neo-liberal economists
want to demonstrate that the major stumbling block that keeps the rest of
the world from benefiting from capitalism is its inability to produce
capital. However, these ideologues (Hernando de Soto, William Easterly,
Jeffrey Sachs) and their NGO counterparts easily forget that there may be
legitimate and important reasons why people are resisting their neo-liberal
reforms or adopting practices of exit.
In this paper the ideas of some leading neoliberal development ideologues
will be discussed in relation to the role of the NGO's, the growth of
landless or assetless people and ethnic cleansing in some African countries.
The role of the NGOs in the "aid chain" has become crucial in the process of
enforcing the neo-liberal development agenda on the masses in the developing
world as their work rests on a sense of commitment to finding new solutions
to old problems. NGOs are recipients of aid money for basic services
replacing the post-colonial state as a prime player. Influenced by NGOs and
because of growing trade possibilities communities are abandoning former
subsistence modes of production and adopting income-maximising modes of
production now that accumulation of money wealth is playing a major role in
the local economies.
Klaus-Bernhard Roy (University of Magdeburg, Germany)
"Workfare" und selektive soziale Gerechtigkeit
In der akademischen wie poltischen Debatte hat workfare als sogenanntes
Modernisierungskonzept eine prominete Position erfahren. Die Diskurse um
gesellschaftliche Integration rekurrieren oftmals sehr auf Marktgängigkeit
und Pflichten der Menschen gegenüber der Gesellschaft und strukturieren
dabei Gerechtigkeitskonzepte, die nicht nur konzeptionell in sich hochgradig
selektiv statt inklusiv aufgebaut sind, sondern als intellektuelle
Rechtfertigungsmuster realer Politik soziale Segmentierung selbst mit
gestalten.
Tobias Schlechtriemen (University of Konstanz, Germany)
Netzwerke - Zur Zirkulation einer ,anschaulichen Idee'
Es gibt ein Bild, das um den ganzen Globus zirkuliert und in dem sich sowohl
transnationale Institutionen, als auch Gesellschaften, Gruppen oder einzelne
Organisationen beschreiben: das Bild des Netzwerks. Allerorten wird von
,Vernetzung', von ,Netzwerken', ,networking', ,Beziehungen knüpfen' usw.
gesprochen, wenn Menschen ihr Verhältnis zueinander beschreiben. Die
Metapher des Netzwerks ist ein aktuelles Bild des Sozialen, das andere
Bilder - wie das der Gesellschaft als Körper oder Organismus - abgelöst hat.
Das Bild des Netzwerks kursiert aber nicht nur in der breiten
Öffentlichkeit, sondern taucht auch in fachwissenschaftlichen Diskursen auf.
So wird in soziologischen Texten die Gesellschaft immer häufiger als
,Netzwerk' beschrieben.
In diesem Beitrag soll nachgezeichnet werden, wie sich das Bild des
Netzwerks durch verschiedene Räume des Wissens bewegt und überlegt werden,
wie diese Bewegung adäquat beschrieben werden kann. Die zirkulierenden
Bilder des Sozialen oder Metaphern der Gesellschaft sind eine Form des
Wissens, an der sich besonders gut zeigen lässt, wie populäre Ideen in
fachwissenschaftliche Theoriebildung eingehen und aus der Wissenschaft
kommend auch wieder von der öffentlichen Diskussion aufgenommen werden.
Diese Transfer- und Aneignungsprozesse sollen zum einen anhand von Manuel
Castells' "The Rise of the Network Society" untersucht werden, das ausgehend
von den neuen Informationstechnologien den Prozess globaler, ökonomischer
Vernetzung prognostiziert; und zum anderen anhand von Bruno Latours
'Akteur-Netzwerk-Theorie', in der soziotechnische Netze das reibungsvolle
Aufeinandertreffen globaler und lokaler Aspekte beschreiben.
Regine Schönenberg (Free University Berlin, Germany)
Reterritorialization of remote knowledge production from the Amazon to the German academic landscape
Academic production is dependent on a multilayer context of disciplinary and
every-day knowledge embedded in cultural matters of course. The so-called
"objective knowledge" is far from being as it seems since even the very
disciplinary discourses differ from country to country. Western hegemonic
definitions of "the right knowledge" are loosing their power of impact and
local scientific discourses are becoming more self-confident. Usually, the
field-researching scientist lacks the adequate preparation for a systematic
integration of this inevitable process of adaptation to the new scientific
and cultural environment to the original research design. And, to a even
lesser extent is he/she prepared to re-territorialize the "alien" research
results within the original scientific discourse of his/her discipline.
Since those processes of transnational knowledge-production are common place
nowadays my contribution will propose a possible methodology to tackle the
problem. Personal note: The empirical basis of this contribution are almost
20 years of research in the Brazilian Amazon and constant attempts of
re-territorialization of that knowledge within the German academic
discourse. Lately, I had the opportunity to present the results of those
attempts at a congress in the Amazon which highlighted once more the
necessity to dispose of a sound methodology to pursue such a concern.
Ulf Schulenberg (University of Vechta, Germany)
"Soucie-toi de toi-même": The Idea of Self-Creation in a Franco-American Context
In my talk, I wish to contribute to an elucidation of the contemporary
significance of the quarrel between the poets and the philosophers. I shall
do so by concentrating on the notion of self-creation, that is, I shall
compare Richard Rorty's idea of self-creation with that of the late Michel
Foucault. Whereas the American liberal Rorty restricts the power of creative
self-invention to the private sphere, Foucault, in L'Usage des plaisirs, Le
Souci de soi, and other later texts, shows that self-creation (or the care
of the self) on the contrary might have strong effects in the public sphere
and that the idea of a radical private-public split is therefore untenable.
How does the idea of self-creation present itself in this Franco-American
conversation or theoretical dialogue? What kind of (cultural and
political)"knowledge" is produced in this transatlantic encounter? These are
two of the questions that will be discussed.
Corneliu Cristian Simut (Emanuel University, Romania)
Fitting the Notion of Christ into Contexts. The Role of the Image of Christ in Erich Fromm
Fromm's interest in the idea of Christ stems from his conviction that this
particular religious notion ignited collective fantasies which later became
more complex with the unfolding of early Christian history. Christ is seen
as in image which should be tackled as dealing with social-psychology but
must be understood in terms of psychoanalysis. Thus, as a science which is
concerned with experience and the influence of experience on human emotional
development - both individual and collective - psychoanalysis reveals that
early Christianity saw the historical person named Jesus as being elevated
to the level of God. This was the only way that Jesus could have been
perceived by a group of uneducated poor Jews, who only nurtured hatred
towards the government as well as hopes for a better world. This adoptionist
perspective changed gradually as Christianity grew to include wealthy
non-Jews, so the historical Jesus now became the Christ who was no longer a
mere man but a God-man. This is why Christianity gave up the early
expectation of a future and better world, and focused on the need for
salvation in the present time. Therefore, for Fromm, this historical
development of theological ideas has to do with the way social classes
perceived the world they lived in: from the early proletarian view of a poor
man ascending to heaven as God and who could give humanity a better hope for
the future to the later and obviously more complex doctrine of a God-man who
deals with the needs of our daily experience in the present moment, promoted
by the ruling class. This way, the notion of Christ can be adapted virtually
to any particular social context with view to fitting it into social and
individual human experience.
Thomas Skowronek (Humboldt-University at Berlin, Germany)
Parergonale Ökonomien zwischen Emergenz und Reinfall. Kunstmärkte in Polen und Russland nach 1989
Kunstmärkte gehören sicherlich zu den symbolisch dichtesten Umschlagplätzen
wissensökonomischen Kapitals. Als Teil des kunstweltlichen Kontextes
relationieren sie symbolische Produktion, Wissensvermittlung und ökonomische
Machtfülle über nationalstaatliche Grenzen hinweg und fundieren damit
Transferleistungen, die nicht nur einzelne Werke, sondern bisweilen ganze
Diskursapparaturen betreffen, mit denen neues Wissen kanalisiert wird.
Kunstmärkte als Diskursverdichter, gerade im poetologischen Sinne, erweisen
sich nicht nur als Rahmungen kunstweltlichen Wissens, sondern unterliegen
als Repräsentationen heterogener Interessen selbst bestimmten
Konstruktionsmechanismen. Besonders gut lässt sich dieser ambivalente Status
von Kunstmärkten, ihre Parergonalität, in Russland und Polen beobachten, und
literaturwissenschaftlich beschreiben, da hier nach 1989 eine Ökonomisierung
kunstweltlichen Wissens nach westlichem Muster bald allgemeines Programm
wurde. In ihrer symbolischen Gestaltung, vermittels künstlerischer Projekte
und kunstweltlicher Selbstreflexionen, zeigte sich die Umstellung eines
überwiegend zentralistischen Kunstbetriebes aus der Zeit vor 1989 auf eine
global anschlussfähige Art World als eine gouvernementale Appropriation.
Kunstökonomische Wissensinterpretationen erfolgten hier häufig als
Transkriptionen tradierter Narrative. So wurden und werden ökonomische
Prozesse beispielsweise mit Überwindungsphantasmen kaltkriegerischer
Spaltung angereichert, die ihr Potential aus kulturellen Meta-Texten
speisen, wie dem religiösen Schisma in Russland oder dem Verlust
nationalstaatlicher Souveränität in Polen. Dergestalt entsteht das taktische
Image einer ,globalen Avantgarde' (Polen) oder einer ,souveränen Kunstwelt'
(Russland). Indem sie also ökonomisches Wissen mit bzw. zu
kulturspezifischen Narrativen verdichten, rahmen Kunstmärkte die symbolische
Binnenordnung der Kunstwelt nicht nur, sondern präfigurieren noch die
Möglichkeiten institutioneller Entfaltung. Dabei generieren diese
Kunstmärkte globale Kunstweltsubjekte, wie Großsammler mit eigenem Museum,
die den lokalen Kontext als international sanktioniert ausweisen.
Kunstmärkte produzieren und regulieren somit kunstweltliches Wissen in
tendenziell selbstreferentieller Ausrichtung.
Steven Spalding (Newport University, USA)
When Literary Journals Fail: Minuit's Quest for an Avant-Garde
Few would contest that in the past the literary journal held a key role in
the arbitration of taste, the regulation of the circulation of ideas, and in
the creation of value in French intellectual culture. In addition, the
alignment of authors within constellations of communities associated with
competing journals lent transparency to the literary field: the journal was
often a recognized standard bearer of theoretical preoccupations, aesthetic
priorities, or even political and ideological positions. This paper asks,
how has the role of the French literary journal evolved in the second half
of the 20th century? What is the place and role of the literary journal in
today's cultural economy?
Positioned at the intersection of intellectual production and consumption,
the literary journal has the most to reveal to scholars of cultural studies,
I argue, when it fails. Pierre Bourdieu's work laid the foundation for
critical inquiry into the material, historical dimensions of the production
and dissemination of ideas. One of the numerous legacies of Bourdieu's
inquiries (1984, 1992) into the sociology of cultural consumption has been
the important critical light cast on some of the most famous and enduring of
France's intellectual journals, including Les Temps Modernes (Boschetti
1985), Critique (Patron 1999), and La Nouvelle Revue Française (Cerisier
2009). Established infrastructures in the economy of ideas, able to boast
of many issues over many years, each has largely become its own
self-sustaining, autonomous network. Failed literary journals, on the other
hand, point up the limits of what the marketplace for ideas will support: in
presenting the case of Minuit, a journal published by Editions de Minuit, I
suggest ways in which the traditional roles of the literary journal may find
themselves more and more at odds with the cultural marketplace.
Adrian Staudacher (Universität Lausanne, Switzerland)
Seifenopern, Reality Shows und Unterhaltungssendungen im jüngsten türkisch-griechischen Annäherungsprozess (1999-2007)
Die Präsentation stellt die Ergebnisse meiner Analyse von Expertendiskursen
der internationalen und der griechischen Friedens- und Konfliktforschung
vor. Mein Promotionsprojekt soll die Stabilität des jüngsten
türkisch-griechischen Friedensprozesses in einem zeitlich(1999-2007) und
räumlich begrenzten (hauptsächlich die beiden nationalstaatlichen
Territorien) begrenzten Diskursfeld bewerten.
Ich habe dafür gemischte türkisch-griechische pop- und akademische Diskurse
danach untersucht, ob es grenzüberschreitend zu neuen und friedlicheren
Stereotypen für den Anderen gekommen ist. Die thematische Diskursanalyse
konzentriert sich dabei auf den Interdiskurs verschiedener
Diskursformationen (Wissenschafts-, medialer Unterhaltungs- und
Informationsdiskurs). Interdiskurs bedeutet hier mit Jürgen Link, dass das
Nichtgesagte auf die gesamte symbolische Ordnung der Sprache verweist, von
der jeder Diskurs differenziert wird. Meine Präsentation behandelt die
heutigen Massenmedien und passt daher zum Themenschwerpunkt: "Symbolische
Produktion zwischen Globalisierung, Lokalisierung und Glokalisierung."
Almut Stoletzki (University of Hannover, Germany)
„Deutsche Geschichte“ meets „amerikanische Gesellschaft“ – Zum Diskurs über das „German Problem“ im amerikanischen Exil
"Dich und mich hat das Exil in Länder geworfen, die mehr sind als ein
geographischer Hintergrund für abstrakte Analysen. Wir sind in soziale
Wirklichkeiten hineingeraten, deren Eigenart es ausmacht, dass sie weder
identisch noch völlig unvergleichbar sind mit unserer Heimatwelt." (aus
einem Brief Adolph Lowes an Paul Tillich, 1936)
Dieses Zitat veranschaulicht das Spannungsverhältnis von Identität und
Differenz der Herkunfts- und der Exilgesellschaft, welches sich - so die
zentrale These meines Vortrags - für die emigrierten Intellektuellen zu
einer "Kraftquelle der Erkenntnis" (Walter Benjamin) entwickelt hat. Die USA
bilden für Mitglieder des Instituts für Sozialforschung und der University
in Exile/Graduate Faculty an der New School for Social Research nicht nur
einen Zufluchtsort vor dem Nationalsozialismus, sondern auch den
gesellschaftlichen und diskursiven Raum, um neue Antworten auf die
drängenden europäischen Fragen zu finden. Anhand von Begriffsveränderungen
in Exildiskussionen und einzelnen Arbeiten aus dem Emigrantenkreis lässt
sich zeigen, dass im Exil, geronnen in Begriffen und Überzeugungen,
unterschiedliche gesellschaftliche Erfahrungen aufeinander treffen, die
sowohl die Differenz als auch die Verwobenheit der deutschen und der
amerikanischen Gesellschaft offenbaren können. Das Exil wirkt wie ein
Prismenglas: im neuen gesellschaftlichen Kontext werden die mitgebrachten
Gewissheiten auf einmal fragwürdig und es ergeben sich neue Blickwinkel auf
altbekannte Probleme oder gar völlig neue Fragestellungen. Durch das Erleben
unterschiedlicher gesellschaftlicher Wirklichkeiten entsteht ein
transatlantischer Erfahrungsprozess, ein "Intellectual Transfer" (Detlev
Claussen), der sich äußerst fruchtbar auf die Gestalt und Inhalte der
modernen Sozialwissenschaften ausgewirkt hat.
Mareike Teigeler (University of Hamburg, Germany)
Qualitätsmanagement und Komplizenschaft
Die aktuelle Kultur der Effizienz bringt ein bestimmtes Sicherheitsbedürfnis
hervor, welches die Kontinuität der Leistungsfähigkeit durch die Einrichtung
bestimmter Denk- und Handlungsstrukturen, Konsum-, Regenerations- und
Anerkennungsverhältnisse zu garantieren sucht. (vgl: Rölli, Marc 2008:
http://querdurch.hfbk.net/medien/querdurch_marc_roelli_
sensibilitaet.mp3) Ich möchte mein Augenmerk in diesem Zusammenhang auf den
Bereich des Qualitätsmanagement an Hochschulen richten und untersuchen,
inwieweit dieses als Antwort auf besagtes Sicherheitsbedürfnis anzusehen
ist. Ein sogenanntes umfassendes Qualitätsmanagement bezeichnet die
Verschränkung der Bereiche Evaluation und Akkreditierung. Es ist in diesem
Zusammenhang festzustellen, dass die vermeintlich individuell, also
hochschulintern zu kreierenden Zielvorstellungen der Dynamik innerhalb des
Spannungsfeldes zwischen hochschulinterner und hochschulübergreifender
Qualitätssicherung ausgeliefert sind. Individuelle Vorlieben sind
notwendigerweise den zu erreichenden Zielen untergeordnet, bzw. werden durch
diese Ziele erst hergestellt, anstatt als für sich genommen erfahrbar zu
sein. Die kaschierte Trennung der Bereiche Forschung/ Lehre und Effizienz
zielt im Gegenteil auf die umfassende Mobilisierung der Individuen, bzw. der
Hochschulen zu Zwecken profitabler Privatproduktion. Ein alternativer Weg
besteht meiner Einsicht nach darin, zu versuchen, die Verwicklungen und
Abhängigkeiten wahrzunehmen, sie auszuhalten und den so entstehenden
Entwicklungen Raum zu lassen. In diesem Fall geht es nicht darum, vorher
definierte Werte zu ordnen und aus einer Position heraus zu handeln, sondern
darum, den Fokus auf Prozesse und Wirkungen zu legen. Es geht um eine
Taktik, die dazu animiert, mit den Ereignissen zu spielen und günstige
Gelegenheiten dafür zu ergreifen, neue Verknüpfungen herzustellen. Eine
solche Taktik möchte ich anhand des Konzeptes der Komplizenschaft
vorstellen. (vgl.: Ziemer, Gesa 2007: Komplizenschaft: Eine Taktik und
Ästhetik der Kritik? Zürich: Edition Voldemeer)
Sebastian Tränkle (University of Leipzig, Germany)
Wo ist das Denken zu Hause? Zum Begriff der "Heimat" in der Kritischen Theorie von Adorno bis Türcke
Novalis zu Folge ist die Philosophie "eigentlich Heimweh." Ist das nur ein
romantischer Reflex gegen die kosmopolitische Aufklärung? Im Zuge der viel
gescholtenen "Globalisierung" gewinnen auch heute Bedürfnisse nach
räumlicher Verortung und kultureller oder nationaler Identität immer wieder
von Neuem an Konjunktur. Oder zielt schon Novalis auf "Heimat" in ganz
anderem Sinne? In der Dialektik der Aufklärung versuchten Horkheimer und
Adorno, selbst im amerikanischen Exil und noch zur Zeit des
Nationalsozialismus, der sich den Begriff der Heimat im Sinne einer "Blut
und Boden" Ideologie angeeignet hatte, dem eine andere Dimension des
Begriffs entgegenzustellen. "Heimweh" ist demnach weniger die Sehnsucht nach
einem "verlorenen Ältesten," als die nach dem besseren Leben - und Heimat
"das Entronnensein" aus dem mythischen Bann von Herrschaft. Adornos
Kindheitserinnerungen eröffnen dazu eine zeitliche und sprachliche Dimension
von "Heimat." Der Begriff der Heimat blieb nach 1945 einem kritischen
Bewusstsein stets suspekt. Vor allem in den Diskussionen einer akademischen
und politischen Linken haftet ihm bis heute der Ruf des Reaktionären an. In
seinem 2006 erschienen Essay "Heimat. Eine Rehabilitierung" versucht
Christoph Türcke eine an Horkheimer und Adorno anschließende Neuaneignung
des Begriffs. Mit einem psychoanalytischen Fokus auf Kindheit möchte er den
Begriff aus dessen enger historischer Verquickung mit Nation und
Nationalismus lösen. Ob es möglich ist, so dem Begriff der Heimat seine
reaktionären Konnotationen zu nehmen, kann mit gutem Grund bezweifelt
werden. Die Frage nach dem zu Hause des Denkens ist es aber auch in der
"globalisierten" Welt weiterhin wert, gestellt zu werden: Immerhin heißt es
bei Novalis weiter, Philosophie als Heimweh sei "der Trieb, überall zu Hause
zu sein."
Jatin Waglé (University of Hannover, Germany)
Intellectual Transfer and the Con(Texts) of Exile: Rereading T. W. Adorno's Émigré Writings
In this paper I read the English language translations of two of Theodor W.
Adorno's essays - those on Spengler and Veblen - published in 1941 in his
exile in the United States against their better-known German versions from
the early 1950s. These critical comparisons reveal complex patterns of
amendments, inclusions and deletions, and the textual distinctions are made
meaningful when mediated through the specificities of the Critical
Theorist's social-historical experiences. Not a purely linguistic or
philosophical problematic, but a complex political dialectic underlies the
"translations", which finds expression in a "slave language"
[Sklavensprache] (Claussen 1986; 2008). It could be described as a resistant
intellectual code formulated collectively by the Critical Theorists, and
structured in the main by their experiences, in this context, of the New
Deal in their exile in the United States, and then of the Cold War after
their postwar "homecoming" to the Federal Republic. These close readings of
such concrete movements of thought across social-historical contexts
militate against a static and sterile view of Adorno's alleged
untranslatability and counter the charges of émigré self-censorship leveled
against the Critical Theorists (e.g. Wiggershaus 1994). Moreover, the
rereading of Adorno's émigré writings offers an alternative account of
Adorno's American exile, which seeks to free it from the transatlantic,
ideological frames of anti-intellectualism and anti-Americanism that have
hitherto structured and distorted its reception on both sides of the
Atlantic.
Sercan Yoldas (Mersin University, Turkey)
A Comparative Study of Framing in the Political Discourses of Atatürk and Churchill
According to George Lakoff (1996, 2004, 2008), a frame is a conceptual
structure used in thinking. Frames function as implicit or explicit
discursive strategies to define and reinforce certain ways of looking at the
world. Every word, Lakoff claims, comes with one or more frames, some of
which may evoke unconscious moral or psychological reaction in the
listener's mind. "Frames evoke other frames in the system. Understanding
involves drawing out the logic of the frames" (Lakoff 2008: 43). Framing
the concepts of "sovereignty," "independence," "race," and "minority" have
been crucial in the development of a modern identity for the nations in the
early part of the twentieth century. In this paper we trace the linguistic
manifestations of these concepts in the selected discourses ranging from the
1920's to the 1940's of two political contemporaries, Atatürk and Churchill.
We use transcriptions of Atatürk's speeches from 1919 to 1938 and
Churchill's Complete Speech Texts (1901-1963). Despite the fact that Turkey
began to push for alliance with the West, and particularly with Britain
starting from 1930's onwards, the political frames of the key concepts
mentioned above do not agree in the discourses of the two leaders. For
example, when we look at the frames drawn for the concept of "independence"
in the speeches of Atatürk and Churchill, we see that while Churchill sees
independence as England's imperial right to be given to others, Atatürk
frames it as a right to be fought for in the way to become a nation.
References:
Lakoff, George. (1996) Moral Politics: What Conservatives Know That Liberals
Don't. University of Chicago Press.
---------(2004) Don't Think of an Elephant: Know Your Values and Frame the
Debate--The Essential Guide for Progressives. Vermont: Chelsea Green
Publishers.
---------(2008). The Political Mind: Why You Can't Understand 21st Century
American Politics with an 18th Century Brain. New York: Penguin Books.
Marta Zimniak-Halajko (University of Warsaw, Poland)
New Critical Power: Radical Forms of Communication and Social Movements
In my paper I would like to present an analysis of alternative and radical
forms of communication of new social movements of radical left and radical
right orientation, mainly in the Polish context. I will concentrate on
communication practices of several social movements, being a subject of my
research interest. These include groups of Marxist, anarchist,
ultraconservative and nationalist orientations. My study of these groups is
based on participant observation technique. I will focus on the alternative
Internet use, but I will also try to explain why the research of social
movements activity in the Internet should be complemented by an analysis of
other forms of social movements' communication practises (such as ritual and
iconic communication, demonstrations, leaflets and so on). In my analysis I
refer to alterative media theories of John Downing and Chris Atton and I
will try to map out the research field for alternative media and social
movements in general and the alternative Internet in particular. The main
thesis of my presentation is that alternative media are key instruments for
the articulation of critical social reflection and for communicating of
alternative system diagnoses of today's culture and society's condition.
Robert Zwarg (Universit of Leipzig, Germany)
Die Suche nach dem Wort, das gilt - Epochenbruch und Sprachverlust bei Max Horkheimer
Dass kein Begriff ohne Geschichte ist, d.h. einer Tradition der
Überlieferung und historischen Umständen, in denen er zur Geltung kommt, hat
kaum eine intellektuelle Schule so sehr reflektiert wie die Kritische
Theorie um Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse et al.
Deswegen ist es kaum verwunderlich, dass die geschichtliche Erfahrung des
Nationalsozialismus und seinem negativen Klimax, der Vernichtung des
europäischen Judentums, am Denken der kritischen Theoretiker nicht spurlos
vorbeigegangen ist. An Max Horkheimer lässt sich eine Denkbewegung
studieren, die sich als Reflexion auf einen profunden Zweifel an der
Tauglichkeit früherer Begriffe, vor allem jenen der Marxschen Tradition
verstehen lässt: sie reagiert auf nichts weniger als einen Sprachverlust.
Die weitere Entwicklung von Horkheimers Denken wurde dabei immer wieder als
"religiöse" bzw. "pessimistische" Wende paraphrasiert. Dieses Urteil ist
nicht nur subjektivistisch verkürzend, sondern unterschätzt auch die
systematische Denkanstrengung Horkheimers, Begriffe und Kategorien aus dem
intellektuell-politischen Kosmos der 20er und 30er Jahre in eine neue
historische Konstellation zu übertragen. Die stärkere Akzentuierung
theologisierender Ideen - ohne dabei selbst auf einem positiven
theologischen Boden zu stehen - war die Suche nach Begriffen, denen einen
vergleichbares politisches und emanzipatorisches Mobilisierungspotential
innewohnt wie den marxistischen Konzepten der 20er und 30er Jahre. Vor dem
Hintergrund einer unabgeschlossenen Säkularisierung und der andauernden
Strahlkraft religiös konnotierter Begriffe - sei es in transponierten Formen
der "Alltagsreligion" oder in der sog. Politischen Theologie -, lohnt es
sich, diese Denkbewegung genauer zu untersuchen.
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